Soaplands

Sonja Yakovleva

Mit dem Scherenschnitt verbinden sich traditionellerweise unschuldige Porträts von Paaren, die einander versprochen sind, blumige Garten- und Stubenszenen, schwungvolle Arabesken oder volkstümliche wie patriotische Darstellungen. Hierin klingen die Normen des 19. Jahr­hunderts an. Im Rückblick ein altmodisches Medium, dessen ornamentales Gepräge andererseits für eine höchst kunstfertige Arbeitstechnik steht. Die Künstlerin Sonja Yakovleva, die 2023 ein Atelier­stipendium der Hessischen Kulturstiftung für Istanbul erhielt, nutzt diese eigentlich überkommene Technik, um den mit Häuslichkeit, Heteronormativität, Patriotismus sowie rassistischen Ideologien besetzten Scherenschnitt ins 21. Jahrhundert zu überführen und so mit gegenteiligen Konnotationen zu besetzen. Ihre großen, mitunter monumentalen Arbeiten sind von Feminismus und Pornografie geprägt, ohne jedoch kunsthistorische Verweise, volkstümliche Motive, Märchen und Mythen aus den Darstellungen zu verbannen. In den flirrenden „Mustern“ der Konvention haben Frauen das Regime übernommen. Themen wie Macht, Repräsentation, Sexualität und Gewalt werden darin neu verhandelt, gleichzeitig werden Blicktraditionen und Sehkonventionen aufgebrochen. Soaplands, so der Titel von Sonja Yakovlevas Monografie über den Papierschnitt, verweist auf japanische Badehäuser als Orte, an denen die traditionell unterdrückte oder dienende Sexualität sich der patriarchalen Dominanz zur Lustbefriedigung unterworfen hat.

Residenzstipendium

Istanbul

2023/2024

Sonja Yakovleva, Soaplands. Mit Texten von Anna Gien, Sabrina Günther, Oliver Koerner von Gustorf, Egor Sofronov. Gestaltung: Correspondence (Justus Gelberg, Berlin & Lukas Engelhardt, Amsterdam). 25 x 32cm, Hardcover, 256 Seiten, 164 Abbildungen, DCV, Berlin.

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